Allerheiligen Wasserfälle und Kloster – Natur, Geschichte und Ruhe im Schwarzwald


+8Die Allerheiligen Wasserfälle auf einen Blick
- Lage: Lierbachtal bei Oppenau, nördlicher Schwarzwald
- Höhe: sieben Kaskaden, zusammen fast 90 Meter
- Wanderung: Kloster–Wasserfälle–zurück ca. 3,6 km, 1–3 Stunden je nach Aufenthalt
- Eintritt: kostenlos, ganzjährig zugänglich
- Highlights: Klosterruine, Allerheiligenkapelle, Engelskanzel
- Start: kostenfreier oberer Parkplatz, Allerheiligen 6, 77728 Oppenau
Die Allerheiligen Wasserfälle im Lierbachtal bei Oppenau verbinden zwei Attraktionen zu einem der schönsten Ausflugsziele des Nordschwarzwalds: eine spektakuläre Kaskadenlandschaft und eine geheimnisvolle Klosterruine aus dem 12. Jahrhundert, die man an einem einzigen Ausflug bequem miteinander verbinden kann. Über sieben Stufen stürzt der Lierbach fast 90 Meter in die Tiefe und hat dabei über Jahrtausende eine tiefe Schlucht in den harten Granit gegraben.
In diesem Guide erfährst du, warum du deine Tour am besten oben beginnst, was es an Kloster, Kapelle und Aussichtspunkten zu entdecken gibt, welche Legende sich um die Gründung rankt und wie du deinen Besuch mit den Sehenswürdigkeiten der Umgebung verbindest.

Sieben Kaskaden über fast 90 Meter
Was die Allerheiligen Wasserfälle so besonders macht, ist ihre Struktur: Statt eines einzelnen Sturzes erlebst du eine Abfolge von sieben Kaskaden, jede mit eigenem Charakter. Der Lierbach, ein kleiner Gebirgsbach, hat hier über Jahrtausende eine spektakuläre Schlucht in den Granit gegraben. Die feine Gischt, die im Sonnenlicht tanzt, schafft eine fast mystische Atmosphäre. Im Frühjahr, wenn die Schneeschmelze einsetzt, donnern gewaltige Wassermassen über die Felsen; im Sommer sorgt die feine Gischt für willkommene Erfrischung, und im Winter erstarren Teile der Fälle zu einer zauberhaften Eislandschaft. Jede dieser Stufen hat ihren eigenen Charakter und eröffnet beim Abstieg immer wieder neue, überraschende Perspektiven auf das herabstürzende Wasser.

Der beste Startpunkt: oben beginnen
Für das volle Erlebnis empfehle ich dir dringend, die Tour am oberen Eingang zu beginnen. Hier findest du einen großen, kostenfreien Parkplatz (Allerheiligen 6, 77728 Oppenau). Von dort führt ein kleiner Pfad, der rechts vom betonierten Hauptweg abzweigt, zunächst zur Allerheiligenkapelle und zur Klosterruine – und anschließend steigst du entlang der Wasserfälle bequem bergab, statt dich mühsam bergauf zu quälen. An klaren Tagen hast du von hier oben einen traumhaften Blick über die Ruine und die bewaldeten Höhen des Schwarzwalds.

Die Allerheiligenkapelle
Die kleine Allerheiligenkapelle ist meist geöffnet und einen Besuch wert. Sie bietet einen Moment der Ruhe und Besinnung, bevor du dich in das Abenteuer der Wasserfälle stürzt. Die schlichte Schönheit der Kapelle steht in reizvollem Kontrast zur wilden Natur ringsum – ein friedvoller Auftakt für die Wanderung.

Die geheimnisvolle Klosterruine Allerheiligen
Nur wenige Schritte weiter erreichst du die eindrucksvolle Klosterruine. Diese frühgotische Anlage wurde zwischen 1191 und 1196 von Uta von Schauenburg gegründet, einer Adligen aus der Region. Über die Jahrhunderte erlebte das Kloster Höhen und Tiefen, wurde mehrmals durch Brände beschädigt und wieder aufgebaut, bis es schließlich aufgegeben wurde. Besonders gut erhalten sind die Reste des Langhauses, der Sakristei und des Kreuzgangs. Wenn du durch die verfallenen Gemäuer gehst, kannst du dir lebhaft vorstellen, wie das Kloster einst ausgesehen haben muss. Efeu rankt an den Mauern empor, Moose und Flechten haben sich auf den Steinen angesiedelt – ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Natur und Kultur miteinander verschmelzen.

Die Legende vom Eselsbrunnen
Um die Gründung des Klosters rankt sich eine bekannte Legende. Der Überlieferung nach wollte Gräfin Uta von Schauenburg ein Kloster errichten, wusste aber nicht, wo. Sie ließ einen mit Gold beladenen Esel frei laufen und schwor, das Kloster dort zu bauen, wo das Tier sich niederlegen würde. Der Esel wanderte tagelang durch den Schwarzwald, bis er an der Stelle des heutigen Klosters zusammenbrach – dort entsprang auch eine Quelle, der sogenannte Eselsbrunnen. Solche Tier-Legenden waren im Mittelalter durchaus üblich: Eine scheinbar zufällige Entscheidung wurde so als gottgewollt gedeutet. Mehr über diese und andere Geschichten erfährst du im Informationszentrum im ehemaligen Gesindehaus.

Der Abstieg zu den Wasserfällen
Nach dem Besuch von Kapelle und Kloster beginnt das eigentliche Naturerlebnis: der Abstieg entlang der Kaskaden. Der Wanderweg, der bereits 1840 angelegt wurde, schlängelt sich über zahlreiche Treppen und Brücken am Lierbach entlang. An jeder Biegung eröffnen sich neue Ausblicke auf die Fälle, die Luft wird spürbar kühler und feuchter, und die feine Gischt liegt über dem gesamten Weg. Der Weg ist gut ausgebaut und mit Geländern gesichert; dennoch solltest du festes Schuhwerk tragen, denn bei feuchtem Wetter können die Stufen rutschig sein.

Die Engelskanzel
Wenn du nach dem Abstieg noch Energie hast, lohnt der Abstecher zur Engelskanzel. Dieser natürliche Felsvorsprung liegt etwas abseits des Hauptwegs und belohnt dich mit einem grandiosen Panoramablick über das Lierbachtal und die Wasserfälle. Der Weg dorthin ist etwas anspruchsvoller, doch die Aussicht entschädigt für jede zusätzliche Anstrengung – der ideale Ort für ein paar unvergessliche Fotos.
Beste Reisezeit und Jahreszeiten
Die Wasserfälle sind ganzjährig ein Erlebnis, besonders schön ist ein Besuch zwischen April und Oktober, wenn das Wetter mild und die Wege gut begehbar sind. Im Frühjahr führen die Fälle nach der Schneeschmelze am meisten Wasser, im Sommer sorgt die Gischt für Abkühlung, der Herbst taucht das Tal in leuchtende Farben, und im Winter verwandeln vereiste Kaskaden die Schlucht in eine märchenhafte Szenerie. An Wochenenden und in der Hochsaison kann es voll werden – ein früher Start lohnt sich also.
Praktische Tipps für deinen Besuch
Nutze den oberen Parkplatz, um bequem beim Kloster zu starten und zu den Fällen abzusteigen. Trage festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung, da es durch die Gischt feucht werden kann. Die Wanderung vom Kloster zu den Wasserfällen und zurück beträgt rund 3,6 Kilometer; für den reinen Weg brauchst du etwa 40 Minuten bis eine Stunde, mit Besichtigung der Ruine und Fotostopps solltest du zwei bis drei Stunden einplanen. Denk an genügend Wasser und einen kleinen Snack. Für Personen mit eingeschränkter Mobilität ist der Weg wegen der vielen Treppen herausfordernd. Bitte bleibe auf den Wegen und nimm deinen Müll wieder mit.
Einkehren am Kloster
Direkt an der Klosterruine liegt das Restaurant Kloster Allerheiligen mit regionalen Spezialitäten und einer schönen Terrasse mit Blick auf die Ruine. Besonders die hausgemachten Kuchen sind zu empfehlen. Für längere Wanderungen empfiehlt es sich dennoch, eigenes Wasser und einen Snack mitzunehmen.
Sehenswertes in der Umgebung
Die Region rund um die Allerheiligen Wasserfälle bietet viele weitere Ziele. Nur etwa 11 Kilometer entfernt liegen die weniger bekannten, aber ebenso reizvollen Edelfrauengrab-Wasserfälle (rund 45 Meter). In unmittelbarer Nähe erstreckt sich der 2014 gegründete Nationalpark Schwarzwald mit dem Nationalparkzentrum am Ruhestein, wo interaktive Ausstellungen und geführte Rangertouren Einblicke in die Wildnis geben. Der sagenumwobene Mummelsee an der Schwarzwaldhochstraße ist etwa 15 Kilometer entfernt. Auch das „Tor zum Renchtal“, die Stadt Oppenau mit ihrer barocken Kirche und der historischen Altstadt, ist einen Abstecher wert.

Mehr zur Geschichte des Klosters
Das Kloster Allerheiligen war über Jahrhunderte ein Zentrum der Gelehrsamkeit und Spiritualität, dessen Ruf weit über den Schwarzwald hinausreichte. Prämonstratenser-Chorherren prägten das geistliche Leben, Pilger suchten hier Zuflucht, und die abgeschiedene Lage im Lierbachtal verlieh dem Ort eine besondere Aura. Mehrere Brände setzten der Anlage über die Jahrhunderte zu, immer wieder wurde sie aufgebaut. Nach der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts verfiel das Kloster endgültig; ein Blitzschlag beschädigte 1804 den Turm schwer. Was blieb, ist eine der stimmungsvollsten Klosterruinen Süddeutschlands, deren hohe Bogenfenster und filigrane Steinmetzarbeiten noch heute von der einstigen Pracht zeugen.

Das Ehrenmal des Schwarzwaldvereins
Etwas oberhalb der Ruine erhebt sich das Ehrenmal des Schwarzwaldvereins, das an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Mitglieder erinnert. Von hier aus öffnet sich ein weiter Blick über das Lierbachtal – ein stiller Ort zum Innehalten, der die bewegte Geschichte der Region widerspiegelt und einen schönen Kontrast zur Dynamik der Wasserfälle bildet.
Geologie: Wie die Schlucht entstand
Die Allerheiligen Wasserfälle verdanken ihre Form dem harten Granit des Nordschwarzwalds. Der Lierbach hat sich über Jahrtausende in das widerstandsfähige Gestein eingeschnitten und dabei die charakteristische Abfolge von sieben Stufen geschaffen. Weil der Granit stellenweise unterschiedlich stark verwittert, entstanden Kaskaden ganz unterschiedlicher Höhe und Form. Die feuchten, moosbewachsenen Felswände entlang des Weges sind ein idealer Lebensraum für Farne und seltene Pflanzen, die das kühle, schattige Mikroklima der Schlucht schätzen.
Der Nationalpark Schwarzwald
Die Allerheiligen Wasserfälle liegen am Rand des 2014 gegründeten Nationalparks Schwarzwald, des ersten Nationalparks Baden-Württembergs. Hier darf sich die Natur weitgehend ungestört entwickeln – aus bewirtschaftetem Wald wird über die Jahrzehnte wieder Wildnis. Ein guter Einstieg ist das moderne Nationalparkzentrum am Ruhestein mit interaktiven Ausstellungen und einem Aussichtssteg über den Baumwipfeln. Der rund 4,5 Kilometer lange Wildnispfad zeigt eindrucksvoll, wie sich der Wald ohne menschlichen Eingriff verändert, und geführte Rangertouren geben tiefe Einblicke in die Ökologie der Region. Für Familien ist der Nationalpark ein lohnendes Ergänzungsziel zum Wasserfallbesuch.

Oppenau – das Tor zum Renchtal
Die nächstgelegene Stadt Oppenau, oft als „Tor zum Renchtal“ bezeichnet, ist einen Besuch wert. Die barocke St.-Johannes-Nepomuk-Kirche aus dem 18. Jahrhundert, erbaut vom bedeutenden Barockbaumeister Peter Thumb, beeindruckt mit prachtvollen Deckengemälden. Das Heimatmuseum erzählt von Forstwirtschaft und Tourismusgeschichte der Region, und die malerische Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern lädt zum Bummeln ein. Wanderfreunde finden im Renchtalsteig, einem rund 57 Kilometer langen Premiumwanderweg, eine ideale Ergänzung für mehrere Tage.
Anreise und Parken
Mit dem Auto erreichst du die Allerheiligen Wasserfälle über Oppenau und weiter ins Lierbachtal. Es gibt einen großen, kostenfreien Parkplatz am oberen Eingang (empfohlen) sowie einen weiteren am unteren Eingang. An Wochenenden und in der Hochsaison füllen sich die Parkplätze schnell – ein früher Start lohnt sich. Übernachtungsgäste im Schwarzwald nutzen mit der KONUS-Gästekarte den öffentlichen Nahverkehr kostenlos und schonen so die begrenzten Parkflächen im Tal.
Fotografieren an den Wasserfällen
Die Kombination aus Kaskaden, Klosterruine und weiten Ausblicken macht Allerheiligen zu einem der fotogensten Ziele im Schwarzwald. Für seidig fließendes Wasser lohnt sich ein Stativ mit längerer Belichtungszeit, für die stimmungsvolle Ruine das weiche Licht am Morgen oder späten Nachmittag. Von der Engelskanzel gelingen weite Panoramaaufnahmen des Lierbachtals. Ein Mikrofasertuch für die Gischt auf der Linse und wetterfeste Kleidung gehören ins Gepäck, denn rund um die Fälle ist es stets feucht.
Mit weiteren Zielen kombinieren
Die Allerheiligen Wasserfälle sind eines der Highlights der Wasserfälle und Schluchten. In der Nähe von Baden-Baden liegt der idyllische Geroldsauer Wasserfall, und in Triberg donnern die Triberger Wasserfälle über sieben Kaskaden. Einen Überblick über die gesamte Region bietet die Startseite von Wunderschöner Schwarzwald. Geführte Wanderungen und Erlebnisse in der Umgebung findest du unter Touren und Erlebnisse.
Der Ausflug mit Kindern
Die Allerheiligen Wasserfälle sind auch für Familien ein lohnendes Ziel, sofern die Kinder schon etwas Ausdauer mitbringen. Der Abstieg entlang der Kaskaden mit seinen Treppen und Brücken ist ein echtes Abenteuer, und die geheimnisvolle Klosterruine regt die Fantasie an – wer war Uta von Schauenburg, und wo genau legte sich der Esel der Legende nieder? Plane genügend Zeit ein, denn es gibt an jeder Kaskade etwas zu bestaunen. Für den Rückweg bergauf sollten die Kleinen ausgeruht sein; alternativ startest du oben am Kloster und legst die anstrengendere Steigung gleich zu Beginn zurück. Feste Schuhe und eine Portion Neugier genügen für einen gelungenen Familientag.
Mein Fazit
Die Allerheiligen Wasserfälle sind ein seltener Glücksfall: Naturgewalt und Geschichte an einem Ort. Wer die Tour oben am Kloster beginnt, verbindet die stille Klosterruine, die friedliche Kapelle und den grandiosen Blick von der Engelskanzel mit dem eindrucksvollen Abstieg entlang der sieben Kaskaden. In Kombination mit dem Nationalpark Schwarzwald, dem Mummelsee und der Schwarzwaldhochstraße wird daraus ein unvergesslicher Tag im Nordschwarzwald, der Naturerlebnis, Geschichte und weite Ausblicke auf einzigartige Weise verbindet.
Kloster und Wasserfälle Allerheiligen sind ein Höhepunkt entlang der Schwarzwaldhochstraße – entdecke die ganze Traumstraße.
Häufige Fragen zu den Allerheiligen Wasserfällen
Wie hoch sind die Allerheiligen Wasserfälle?
Der Lierbach stürzt über sieben Kaskaden zusammen fast 90 Meter in die Tiefe.
Wo sollte ich mit der Wanderung beginnen?
Am besten am oberen Parkplatz (Allerheiligen 6, 77728 Oppenau): So startest du bequem beim Kloster und steigst zu den Wasserfällen ab.
Kostet der Besuch Eintritt?
Nein, sowohl die Wasserfälle als auch die Klosterruine sind kostenlos und ganzjährig zugänglich.
Wie lange dauert die Wanderung?
Der Rundweg beträgt rund 3,6 Kilometer. Mit Besichtigung der Ruine und Fotostopps solltest du zwei bis drei Stunden einplanen.
Ist der Weg für Kinderwagen geeignet?
Nein, wegen der vielen Treppen ist der Weg entlang der Wasserfälle für Kinderwagen und eingeschränkte Mobilität ungeeignet.